Grünlandzentrum Niedersachsen / Bremen e.V. bringt landwirtschaftliches Kooperationsprojekt auf den Weg - Beirat konstituiert sich in Rastede

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Die Mitglieder des neuen Beirates, der sich bei der Auftaktveranstaltung in Rastede konstituierte. Foto: Grünlandzentrum

Rastede. Die Anreicherung mit Nährstoffen (Eutrophierung) in der Nordsee ist weiterhin zu hoch und stört das Meeresökosystem empfindlich. Ein neues Aktionsbündnis macht sich nun dafür stark, Lösungen zu entwickeln, um Küstengewässer besser vor Direkteinträgen, die über küstennahe Entwässerungssysteme ins Meer gelangen, zu schützen und die bis zum Jahr 2020 gesetzlich definierten Zielwerte zu erreichen. Das Bündnis versteht sich als landwirtschaftliches Kooperationsprojekt. Ihm gehören Vertreter aller Interessenverbände aus der von Grünland dominierten niedersächsischen Küstenregion an. Die Leitung hat das Grünlandzentrum Niedersachsen / Bremen e.V. inne.

30 Akteure aus der Landwirtschaft, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, den Entwässerungsverbänden, der Wissenschaft, den Unteren Naturschutz- und Wasserbehörden ausgewählter Landkreise sowie Vertreter unterschiedlicher Landesbehörden trafen sich nun erstmals in Rastede und konstituierten unter Leitung des Grünlandzentrums einen Beirat. Dieser soll anhand einer Modellregion an der deutschen Bucht Lösungswege aufzeigen und Methoden entwickeln, die auf andere Gebiete übertragbar sind.

Unter den Anwesenden herrschte große Einigkeit, dass das Meeresökosystem nicht weiter mit Nährstoffen angereichert werden könne wie in den vergangenen hundert Jahren, sagte Hartmut Schlepps vom Landvolk Niedersachsen. Schlepps betonte, dass es jetzt darum gehe, möglichst schnell und pragmatisch einen Weg zu beschreiben, wie jeder einzelne, egal ob in der praktizierenden Landwirtschaft oder in der behördlichen Verwaltung dazu beitragen könne, Lösungen zu entwickeln. Er warb für gegenseitiges Vertrauen „ohne Schuldzuweisungen und ohne Denkverbote“.

Jürgen Knaack vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) Brake-Oldenburg hatte zuvor die derzeitige Nährstoffsituation der Gewässer rund um die Jade, die als Modellgewässer für das neue Kooperationsprojekt gilt, erläutert. Die Nordsee in der deutschen Bucht befinde sich in einem nicht guten Zustand, so Knaack. Laut Abkommen zum Schutz der Meeresumwelt, der Oslo-Paris-Konvention OSPAR, sowie der trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit TWSC stellt das gesamte deutsche Nordseegebiet bzw. das Wattenmeer ein potentielles Problemgebiet hinsichtlich Eutrophierung dar. Auch die EU Wasserrahmenrichtlinie WRRL begründet das Verfehlen eines guten ökologischen Zustands der Küstengewässer überwiegend mit Eutrophierungseffekten.

Hohe Nährstoffeinträge über Flüsse und Atmosphäre nannte Gastredner Rudolf Gade vom Niedersächsischen Umweltministerium eines der größten ökologischen Probleme von Nord- und Ostsee. Die Folgen sind weitrechend, von verstärktem Algenwachstum bis zur Verschiebung der Artenzusammensetzung.

Welche immense Bedeutung das Ökosystem Meer, das zu 71 Prozent die Erde bedeckt, für den Menschen hat, erläuterte Gastredner Prof. Dr. Oliver Zielinski vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg. Anhand verschiedener Projekte des ICBM skizzierte der Meeresphysiker die Interaktion zwischen Ozean und Meer auf der einen und Mensch und Gesellschaft auf der anderen Seite.

Nach der konstituierenden Sitzung des Beirates plant das Grünlandzentrum nun in den kommenden Wochen die konkrete Arbeit in einer Lenkungsgruppe für die Modellregion „Entwässerungsverband Jade“. Der Gruppe wird neben Geschäftsführer Dr. Arno Krause und Projektleiter Mathias Paech vom Grünlandzentrum auch ein Teil des Beirates angehören, der zügig Maßnahmen für die Modellregion definieren will.